33. REGENSBURGER STUMMFILMWOCHE 2015

Erste Woche: DER GROSSE SPRUNG, ein Meilenstein der Filmtechnik: sechs Kameras filmen die rasanten Pistenschwünge von Leni Riefenstahl im Skirennen mit Luis Trenker. DR. MABUSE, DER SPIELER (TEIL 1), Fritz Langs visionäre Kriminalgeschichte über den Superverbrecher, der die Welt besitzen will. Und LUDWIG II., KÖNIG VON BAYERN, Wilhelm Dieterles umstrittenes Historiendrama über den schleichenden Wahnsinn des Monarchen, das von der Zensur schwer verstümmelt und in Bayern sogar verboten wurde.

Zweite Woche: TAGEBUCH EINER VERLORENEN, G.W. Pabsts Filmdrama über ein gefallenes Mädchen, das nach der Uraufführung wegen seiner "entsittlichenden Wirkung" verboten wurde. THE LODGER – A STORY OF THE LONDON FOG, Alfred Hitchcocks Meisterwerk nach dem Roman "Jack the Ripper". SUNRISE – A SONG OF TWO HUMANS, F.W. Murnaus großes und mehrfach ausgezeichnetes US-Debüt, das drei Oscars gewann.

➜ das Programmheft zur Stummfilmwoche 2015 pdf (7,1 MB)

STUMMFILME mit Live-Musik: Tal Balshai & Stella Maria Adorf (Piano & Gesang), Rainer J. Hofmann, Bertl Wenzl, Markus Stark (Regensburg), Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (München)

DER GROSSE SPRUNG

Arnold Fanck, D 1927, 107 Minuten, restaurierte Fassung, 35 mm
Drehbuch: Arnold Fanck, Kamera: Sepp Allgeier, Hans Schneeberger, Albert Benitz, Richard Angst, Kurt Neubert, Charles Métain, Bauten: Erich Czerwonski, Originalmusik: Werner Richard Heymann, Restaurierung: Friedrich-Wilhelm-Murnau Stiftung,
DarstellerInnen: Luis Trenker, Leni Riefenstahl, Hans Schneeberger, Paul Graetz u.a.
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Photo: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden

In den Bergen ausspannen, "klettern und ein bisschen heiraten" – das verschreibt ein Arzt einem hypochondrischen Berliner Millionenerben. Prompt verliebt er sich in Leni Riefenstahl und misst sich im Skirennen mit Luis Trenker. Anlass für herrlich lustige Szenen, gleichzeitig ein Meilenstein der Filmtechnik: sechs Kameramänner fangen die rasanten Pistenschwünge ein. Die Musik orientiert sich am verschollenen Original von Werner Richard Heymann.

Einführung: Elisabeth Trautwein-Heymann, Tochter des Komponisten
Live-Musik: Tal Balshai & Stella Maria Adorf (Piano & Gesang)

In den Bergen ausspannen, "Klettern und ein bisschen Heiraten" – das verschreibt ein Arzt dem hypochondrischen Millionenerben Michael Treuherz. Und dieser folgt ihm aufs Wort. Kaum ist der Berliner mit seinem Diener in den Alpen angekommen, stürzt er sich in ein ambitioniertes Bergsteigertraining. Mit mäßigem Erfolg: bei der Rettungsaktion verliebt er sich in die Ziegenhirtin Gita – und muss natürlich in Konkurrenz zu schneidigen Bergburschen treten, vor allem zu ihrem Verehrer Toni . Dieser bringt ihm das Skifahren bei, und Gita möchte ihre Wahl zwischen beiden unbedingt bei einem Skirennen treffen. Der Diener von Treuherz ist entsprechend besorgt und ziemlich erfinderisch, was Schutzkleidung angeht.

Hier sehen wir eine schräge Komödie, einen sehr lustigen, fast klamaukigen, Sportfilm, der so ganz anders ist als die überwältigenden Bergdramen, die sonst geschaffen wurden von dem Vierergespann Arnold Fanck, dem Schöpfer atemberaubender Naturbilder, Leni Riefenstahl, der Großstadtpflanze und Tänzerin, die von Fancks Filmen so fasziniert war, dass sie ebenfalls Bergsteigen, Skifahren und Filmemachen lernte, sowie den beiden Ski-Assen Luis Trenker und Hans Schneeberger. Letzterer war auch einer der sechs (!) Kameramänner, die die rasanten Pistenschwünge einfingen. Wer sich hier an diverse James-Bond-Filme erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch.

Die Originalmusik zu DER GROSSE SPRUNG stammt von Werner Richard Heymann, dem Generalmusikdirektor der UFA und Schöpfer zahlreicher Evergreens, die wir heute noch mitpfeifen können. Beispiele? "Ein Freund, ein guter Freund" aus DIE DREI VON DER TANKSTELLE oder "Wenn ich sonntags in mein Kino geh". Nachdem der Originalscore zu diesem Film verschollen ist, hat Tal Balshai auf Anregung der Familien Heymann und Fanck die bekannten Melodien aufgegriffen und eine neue, spaßige, turbulente Musik geschaffen. Wie schreibt der Tagesspiegel? "Slapstick auf Tasten"! Und nachdem Heymanns Lieder nicht zuletzt von ihren Texten leben, gibt es heute einen Stummfilmabend mit Gesang.

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    20:45

  • Fr 07.08.

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  • 2015

DR. MABUSE, DER SPIELER. ERSTER TEIL: DER GROSSE SPIELER. EIN BILD DER ZEIT

Fritz Lang, D 1922, 155 Minuten, 35 mm

Drehbuch: Thea von Harbou (nach dem Roman von Norbert Jacques), Kamera: Carl Hoffmann, Bauten: Otto Hunte, Erich Kettelhut, Karl Vollbrecht (Assistenz), Produzent: Erich Pommer,
DarstellerInnen: Rudolf Klein-Rogge, Bernhard Goetzke, Alfred Abel, Aud Egede-Nissen, Julius Falkenstein u.a..
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Photos: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Dr. Mabuse ist DER Bösewicht des deutschen Kinos. Er ist skrupellos, er hypnotisiert und verwandelt sich, manipuliert Menschen und Börsen­kurse. Wir Zuschauer heute sehen eine spannende Kriminalgeschichte mit Elementen, die später in James-Bond-Filmen wieder auftauchen. Fritz Lang zeigt uns zudem die dunklen Seiten der Weimarer Republik: die Dekadenz, den Rausch, die Unsicherheit, das Streben nach Welt­herr­schaft, die Gesellschaft am Abgrund.

Live-Musik: Rainer J. Hofmann (Multiinstrumentalist, Regensburg)

Dr. Mabuse ist DER Bösewicht des deutschen Kinos. Hinter seiner gutbürgerlichen Fassade als praktizierender Arzt hat er eine Verbrecherbande aufgebaut, die weite Bereiche der Gesellschaft und des Staates unterwandert und zerrüttet. Auch er selbst hat als Verwandlungskünstler Zugang zu vielenKreisen. Er verfügt als Psychoanalytiker über Fähigkeiten wie Hypnose und Telepathie, mit denen er Macht über Menschen ausübt und sie manipuliert. Seinem Blick – seinen stechenden Augen – kann sich niemand entziehen.

Sein Ziel ist eine gesetzlose Schreckensherrschaft über die Welt. Hierfür braucht er Geld – viel Geld. Zur Beschaffung betreibt er eine Falschgeldwerkstatt und Nachtclubs, er führteinen Börsencrash herbei, von dem nur er profitiert, er hypnotisiert beim Glücksspiel seine Mitspieler und zockt sie ab. Sein Gegenspieler ist Staatsanwalt von Wenk.

Fritz Langs Film "erweist sich über seine melodramatische Kriminalgeschichte hinaus als präzise dramaturgische und formale Konstruktion, die nicht nur die Lebenshaltung verschiedener Gesellschaftsschichten und die Vergnügungssucht und Dekadenz des Großbürgertums attackiert, sondern auch die Bedingungen aufzeigt, unter denen eine Gesellschaft zwischen Chaos und Tyrannei einem "Übermenschen" verfallen kann." (Lexikon des internationalen Films). Der Regisseur bettet sein Werk ein: "Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war für Deutschland eine Zeit der tiefsten Verzweiflung, der Hysterie, des Zynismus, des ungezügelten Lasters. Entsetzliche Armut war neben ganz großem und neuem Reichtum. Berlin prägte damals ein Wort: Raffke … Dr. Mabuse ist der Prototyp dieser Zeit."

Wir Zuschauer heute sehen eine spannende Kriminalgeschichte mit Elementen, die später in James-Bond-Filmen wieder auftauchen werden – und bekommen die dunklen Seiten der Weimarer Republik gezeigt.

  • Do 11.08.

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  • So 14.08.

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  • 2016
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  • 2015

LUDWIG II., KÖNIG VON BAYERN. SCHICKSAL EINES UNGLÜCKLICHEN MENSCHEN.

Wilhelm Dieterle, D 1929/1930, 133 Minuten, restaurierte Fassung, DVD
Drehbuch: Wilhelm Dieterle, Charlotte Hagenbruch, Lajos Biro, Kamera: Charles J. Stumar, Produktionsleitung: Joe Pasternak, Bauten: Ernst Stern, Erich Grave,
DarstellerInnen: Wilhelm Dieterle, Rina Marsa, Theodor Loos, Trude von Molo, Max Schreck, Hans Heinz von Twardowski u.a.
Kopie: Filmmuseum München
Photos: Deutsche Kinemathek

Die letzten Jahre von Ludwig II. stehen im Zentrum des Films – der Rückzug von der Welt, die Einsamkeit in seinen riesigen menschenleeren Schlössern, der schleichende Wahnsinn, die Melancholie. In Bayern kam es zu massiven Protesten von staatlicher Seite und von rechten Ver­bän­den. Offenbar hat Wilhelm Dieterle, Regisseur und Hauptdarsteller, einen Nerv getroffen – seine Darstellung des "Märchenkönigs" geht unter die Haut.

Live-Musik: Rainer J. Hofmann (Multiinstrumentalist, Regensburg)

Auch heute noch, gut 150 Jahre nach seiner Thronbesteigung als 18-Jähriger, sind die Menschen fasziniert von Ludwig II. – seine Schlösser ziehen Millionen Besucher aus der ganzen Welt an, die Bayerische Landesausstellung auf Herrenchiemsee war ein Magnet, sein Leben als Staatsoberhaupt mit der immer dominanter werdenden Leidenschaft für Kunst gepaart mit seiner Technikbegeisterung und dem Schönheitskult befeuert die Phantasie. Schon zu Lebzeiten wurde er zum Mythos: "Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen".

"Ludwig scheiterte an dem Wunsch, Illusion und Traumsphäre in der Wirklichkeit zu verankern." (www.neuschwanstein.de) Hier setzt Wilhelm Dieterle – Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller – an. Ihm geht es um die letzten Jahre von Ludwig II. – seinen Rückzug von der Welt, die Einsamkeit in seinen menschenleeren Schlössern, den schleichenden Wahnsinn, die Melancholie. Dieterle stellt seinem Film voran, sich auf "streng historische Tatsachen" zu stützen, auch wenn er das nicht durchgehend tut. Für die Regierung Bayerns 1930 war das offenbar zuviel der unliebsamen Wahrheit – sie legte sich mit der reichsweiten Zensurstelle in Berlin an, um den bereits freigegebenen Film mit einem Aufführungsverbot belegen zu lassen. Offenbar hat Wilhelm Dieterle, einen Nerv getroffen – seine Darstellung des Kini geht unter die Haut.

Kurz nach den Dreharbeiten bekam Dieterle einen Vertrag in Hollywood und startete eine große Karriere. Er machte sich einen Namen mit weiteren Filmbiographien, deckte aber so gut wie alle Genres ab. Sein heute wohl noch bekanntestes Werk ist der großartige GLÖCKNER VON NOTRE DAME mit Charles Laughton. Übrigens: eine andere "romantische" Figur taucht im Personal von Ludwig II. auf – Max Schreck, weltbekannt als Nosferatu.

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  • 2015

TAGEBUCH EINER VERLORENEN

Georg Wilhelm Pabst, D 1929, 113 Minuten, restaurierte Fassung, 35 mm
Buch: Rudolf Leonhardt (nach dem gleichnamigen Roman von Margarete Böhme), Kamera: Sepp Allgeier, Schnitt: Elfriede Böttrich, Produzent: G.W. Pabst, Bauten: Ernö Metzner, Emil Hasler,
DarstellerInnen: Louise Brooks, Fritz Rasp, Josef Rovenský, Vera Pawlowa, Kurt Gerron u.a.
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Photos: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Zur Verlorenen wird die junge naive Thymian durch die Gewalt der Menschen um sie herum – den Gehilfen des Vaters, der sie verführt, der Familie, die sie wegen ihres unehelichen Kindes verstößt, den Aufsehern im Heim für gefallene Mädchen – bis sie im Bordell landet. Regisseur G.W. Pabst setzt nicht auf Effekte, sondern konzentriert sich voll auf Louise Brooks, das Girl mit dem Bubikopf und den großen Augen, deren "Mischung aus Amoralität und Unschuld einzigartig war".

Live-Musik: Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (München): Sabrina Zimmermann (Violine) und Mark Pogolski (Klavier)

Zur Verlorenen wird die noch kindliche Thymian durch die Menschen um sie herum: ein Mitarbeiter ihres Vaters verführt und vergewaltigt sie. Der Vater hat nicht genug Rückgrat, um ihr mit ihrem unehelichen Kind zu helfen und sich gegen die konservativen gesellschaftlichen Regeln zu stellen – die Familie verstößt Thymian. Sie landet in einem Heim für gefallene Mädchen und ist dem sadistischen Vorsteher-Ehepaar ausgesetzt. Ihre nächste Station, ein Edel-Bordell, wirkt gegen die grausame bürgerliche Welt wie ein Hafen und sie blüht zum ersten Mal auf.

Regisseur Pabst hat einen Volltreffer gelandet, als er die Amerikanerin Louise Brooks für zwei Filme nach Deutschland holt. Wir sehen zu, wie sie vom Kind zur Erwachsenen wird: Sie "geht in stummer Schönheit, erschrocken, trotzig, wartend, verwundert durch den Film, als das Mädchen, dem dies passiert. Fast wie ein schöner, tragischer Buster Keaton. Großäugig, infantil, in entzückenden Kleidern." (Berliner Tageblatt). Sie hat eine "geradezu grafisch anmutende Schönheit" (Lotte Eisner), deren "Mischung aus Amoralität und Unschuld einzigartig war" und deren "Interpretation von Weiblichkeit noch heute als frappierend modern erscheint" (Filmdienst).

Louise Brooks passt also nicht nur optisch zur Neuen Sachlichkeit, die im Film Mitte der 1920er Jahre den Expressionismus langsam ablöst. Pabst gilt als Hauptvertreter der Kunstrichtung, die die realistische Beobachtung des Lebens – meistens seiner Dramen – ins Zentrum stellt. Präzise zeigt er, wie sich Louise Brooks zwischen den Männern bewegt: dem öligen Apotheker Fritz Rasp (der uns später in Edgar-Wallace-Filmen Schauer über den Rücken jagte), dem brutalen Aufseher Andrews Engelmann, den Bordellbesuchern Arnold Korff und Kurt Gerron, die sie anzieht wie Motten das Licht. Ein starker Frauenfilm von 1929.

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  • 2015

THE LODGER - A STORY OF THE LONDON FOG

Alfred Hitchcock, UK 1926, 92 Minuten, Der Mieter, restaurierte und viragierte Fassung, 35 mm (englische Zwischentitel)
Buch: Eliot Stannard (nach dem Roman 'Jack the Ripper' von Marie Belloc Lowndes), Kamera: Baron Gaetano di Ventimiglia,
DarstellerInnen: Ivor Novello, June, Malcolm Keen, Marie Ault, Arthur Chesney
Kopie: BFI British Film Institute, London
Restoration Credits: A restoration by the BFI National Archive in association with ITV Studios Global Entertainment, Network Releasing and Park Circus Films. Principal restoration funding provided by The Hollywood Foreign Press Association and The Film Foundation, and Simon W Hessel. Additional funding provided by British Board of Film Classification, Deluxe 142, Shivendra Singh Dungarpur, and Ian & Beth Mill.
Film images: The Lodger

Der erste "richtige" Hitchcock und sein Durchbruch. Er verfilmt den Roman "Jack the Ripper": Mehrere junge blonde Frauen wurden ermordet – und an die Tür der Familie Banting tritt aus dem dichten Londoner Nebel ein unheimlicher Mann und zieht als Untermieter ein. Hitchcocks Handschrift ist schon klar zu erkennen: Suspense, Blondinen, über­mäch­tige Mutter, Schattenspiele, ein unschuldiger (?) Held. Letzterer ist Ivor Novello, das britische Pendant von Rudolf Valentino und Star-Entertainer der Zeit.

Live-Musik: Bertl Wenzl & Markus Stark (Multiinstrumentalisten, Regensburg)

Der erste 'richtige' Hitchcock – so hat der Meister des Suspense selbst später über THE LODGER gesprochen, über den Film, der sein Durchbruch war und ein früher Meilenstein im Thriller-Genre. Er hat ein damals wie heute bekanntes und vielfach verfilmtes Thema aufgegriffen: Jack the Ripper. Im Herbst 1888 wurde London von grausigen Frauenmorden erschüttert. Der Täter wurde bis heute nicht gefunden. Es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben und verursacht auch deswegen noch nach Jahrzehnten Gänsehaut.

Hier heißt der Ripper 'The Avenger'. 'Der Rächer' vergreift sich an jungen blonden Damen. Und als die Hysterie im herbstlich-düsteren London zunimmt, tritt eines Nachts ein eleganter Herr aus dem dichten Londoner Nebel an die Tür der Familie Banting und will das ausgeschriebene Zimmer als Untermieter beziehen. Die Tochter des Hauses ist jung und blond und mit einem Polizisten verlobt…

Dass Hitchcock in Deutschland gearbeitet hatte, Filmemachern wie F.W. Murnau über die Schulter schauen konnte und von Fritz Lang inspiriert ist, zeigt seine expressionistische Bildsprache: wie er Schuld und Sühne durch immer wieder auftauchende Kreuze deutlich macht, wie er Licht und Schatten einsetzt, wie er (im Stummfilm!) die unruhigen nächtlichen Schritte des Mieters im ersten Stock hörbar macht.

Dieser Mieter wird dargestellt von Ivor Novello, einem der beliebtesten Entertainer und Musical-Komponisten Großbritanniens, der als das britische Pendant des Sex-Symbols Rudolf Valentino galt – auch im recht aktuellen Kino verewigt in GOSFORD PARK.

Hitchcocks Handschrift ist schon klar zu sehen: Suspense, Blondinen, übermächtige Mutter, ein unschuldiger (?) Held, Fetische – bis hin zum ersten Kurzauftritt. Er 'hat zu erkennen gegeben, dass ihn die Assoziation von Sex und Mord, von Ekstase und Tod fasziniert.' (Donald Spoto)

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SUNRISE - A SONG OF TWO HUMANS

Friedrich Wilhelm Murnau, USA 1927, Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen, 91 Minuten, 35 mm, (wenige Zwischentitel, auf Englisch)
Drehbuch: Carl Mayer, Kamera: Charles Rosher, Karl Struss, Bauten: Rochus Gliese,
DarstellerInnen: George O‘Brien, Janet Gaynor, Margaret Livingstone, Bodil Rosin u.a.
Kopie: Deutsches Filminstitut, Wiesbaden
Rechte: Hollywood Classics
Photos: Deutsches Filminstitut, Wiesbaden

SUNRISE taucht regelmäßig weit oben auf den Listen der besten Filme aller Zeiten auf. Der Regisseur von Nosferatu setzt auch in seinem US-Debut ganz auf die Kraft seiner Bilder: „Licht und Bewegung sind für Murnau in diesem Film grundlegend. Bewegtes Licht, lichte Bewegung fließt über alles“ (Lotte Eisner). Ein heißer Sommer auf dem Land. Der Mann wird von einer Femme Fatale aus der Stadt verführt. Ihr Glamour und die Lichter der Großstadt locken ihn von seiner Familie weg. Wie weit wird er gehen?

Live-Musik: Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (München): Sabrina Zimmermann (Violine) und Mark Pogolski (Klavier)

Es geht um ganz Grundsätzliches – es geht um "den Mann", "die Frau" und "die Frau aus der Stadt". So ist SUNRISE an nichts gebunden, an kein Land, keine Zeit, er gilt universell. Der Mann vom Land trifft den Vamp aus der Großstadt, sie ist auf Sommerfrische. Die Mondäne verführt ihn. Er ist – auch bildlich – verstrickt in seine Leidenschaft, das Glitzern der Metropole und die Frau locken. Und sie verlangt, dass er sein altes Leben – die Familie und die Farm – zurücklässt und mit ihr kommt. Wie weit wird er gehen? Murnau baut interessante Wendungen ein. Die Lichter, der Trubel, die Dynamik der Großstadt bringen hier nicht nur Verlockung, sondern können auch Erlösung sein.

SONNENAUFGANG taucht regelmäßig ganz weit oben auf den Listen der besten Filme aller Zeiten auf. Der Regisseur von Nosferatu setzt auch in seinem US-Debut ganz auf die Kraft seiner Bilder, "Licht und Bewegung sind für Murnau in diesem Film grundlegend. Bewegtes Licht, lichte Bewegung fließt über alles" (Lotte Eisner). Das Studio, das den deutschen Meisterregisseur angeworben hat, gab ihm auch finanziell komplett freie Hand. Er setzte zahlreiche technische und filmische Neuigkeiten ein, die Bauten sowohl auf dem Land als auch in der Stadt sind überwältigend, die Bilder satt und voller Plastizität und Tiefenschärfe. Murnau hielt sich also an die Vorgabe des Bosses William Fox: "Machen Sie mir einen großartigen Film, was immer es kosten mag." Tom Tykwer, einer der wichtigen aktuellen Regisseure, schreibt: "der Film platzt schier aus allen Nähten vor visualisierter Phantasie" und schließt: "Der Film ist wie ein Traum und lässt uns schwebend zurück."

  • Do 13.08.

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